Freitag, 10. November 2017

"Vorm offenen Fenster" Text und Video



Vorm offenen Fenster


Hallo
Wie geht es dir?
Ich wollte dir einfach mal schreiben und dir erzählen was ich so mache.

Was du machst weiß ich ja. Du bist so beschäftigt. Du hast zu tun und wirst gebracht. Du musst deine Arme überall haben und immer eine schützende auflegen. Du sollst Wegweiser sein, Ziele setzen und den Start vorbereiten.
Ich hingegen?
Ich sitze mal wieder abends vor dem offenen Fenster und schaue in unsere Nachbarsgärten. Es ist eigentlich viel zu kalt und ich friere auch, aber meine Güte: Es ist halt Sommer. Ich habe nicht viel zu tun. Meine Arbeit ist zu hart, als das sie mich langweilen würde, aber zu weich als ob sie mich fordern würde. Ich mach sie einfach. Und Abends sitze ich vor dem offenen Fenster und sehe in die Nachbarsgärten. Ich höre die Vögel wie sie tagtäglich ihre Lieder singen, die Schüler am Nachmittag wenn sie von der Schule kommen und sich eifrig unterhalten. So vieles ist hier los. Und so vieles zieht vorbei. Es kommt und geht, es zieht einfach an mir vorbei.
Ich wünsche mir sehr das du bald wiederkommst. Es ist so einsam ohne dich. Ich vermisse dich. Ich vermisse dich manchmal und jedes Mal wenn ich dich vermisse halte ich kurz inne. Und die Welt scheint in einem Zeitlupentempo an mir vorbeizuziehen. Eigentlich steht sie still. Für einen kurzen Moment passiert gar nichts. Und dann geht das Leben wieder normal weiter alles ob nichts gewesen wäre.
Ich weiß nicht wie es dir geht. Aber ich glaube du hast diese Momente nicht. Für dich ist das alles ein Spiel. Ein Glücksrad das jeden Tag bei einer anderen Farbe stehen bleibt. Du hast so viel um dich herum als ob du der Fixstern eines Sonnensystems wärst. Du liegst mitten im Sand aus Informationen und Worten und mir wird kalt, weil ich trotz 11 Grad immer das Fenster auflasse.
Es ist ja Sommer.

Ich hoffe und wünsche mir das du bald kommst und meine kaputte Uhr wieder reparierst. Ich wünsche mir immer so ein Leben zu haben wie du es führst. Doch ich versage immer an der Verlockung eines weichen Bettes in deinem Zimmer und knallgelben Rosen unserer Nachbarin. Du hast auch ein Bett, aber ob deine Nachbarn Rosen haben weiß ich nicht, vielleicht auch nur Narzissen.

Auf Wiedersehen
Wie geht es dir?
Ich wollte dir einfach mal schreiben und dir erzählen was ich so mache.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Zeitungsartikel zum Poetry Slam in Meinerzhagen

Viel Spaß hatte ich am letzten Freitag beim Poetry Slam in der Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen. Bei meinem zweiten Poetry Slam gab es abermals einen zweiten Platz, über den ich mich sehr freue.

Die Meinerzhagener Zeitung hat auch einen Bericht darüber geschrieben.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Poetry Slam am Freitag (13.10.) in Meinerzhagen

Am Freitag ist es soweit: Mein zweiter Poetry Slam steht an in der Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen ab 19:30 Uhr (der Eintritt ist frei). Antreten werde ich mit meinem Text "Chabos wissen wer der Heiland ist".

Donnerstag, 14. September 2017

"Aufstehen" - Video vom Literaturabend am 02.09.17



Das erste Video vom letzten Literaturabend am zweiten September in Kierspe ist nun verfügbar. Zu sehen gibt es das Gedicht "Aufstehen" aus dem Gedichtband "Wenn es dunkel wird...". Der Text ist hier ebenfalls abgedruckt:



Aufstehen


Aufstehen

raus sehen
Die Stöpsel rausdrehen
Humpelnd tastend
niemals rastend
nach der Brille auf dem Nachttisch suchen
lautstark fluchen
über die Sonne

das grelle Licht des müden Tages
"Wenn du etwas was wissen willst"
sagte mein Vater, "erfrag‘ es
denn dir wird hier nichts geschenkt."
Duschen

rein in die Klamotten
der Mantel aufgehängt
wie die Hoffnungen vergangener Tage
an denen man noch geträumt
Müsli runtergeschlungen

die Küche aufgeräumt.
Dann zum Bahnhof

einen Kaffee
er schmeckt abscheulich
setze mich wie die alten Herren neulich
auf weiße Plastikstühle

wo geht es zum Bahnsteig?
Zugausfall – wir entschuldigen den Warnstreik.
Dann halt in den Bus setzen
höre sie nur Stuss schwätzen
diese sorgenlose Jugend
sich am Smalltalk erlabend
deren Köpfe schon so voll sind
wie die Gläser am Abend.
Stopp gedrückt

der Bus hält an
im echten Leben geht das nicht
durch den Regen sprintent
um acht beginnt die Schicht.
Keuchend stehe ich vor dem Eingang
wie vor einem Altar
und mein Chef begrüßt mich:

"Auch schon da?"


Und ich atme ein

und ich atme aus
und ich gehe rein

und renne raus

Und ich fühle den kalten Wind an meiner Stirn
unter der meine Schläfen stetig pulsier‘n
im Takte meines Businessplans
bin das Getriebe dieses Wissenswahns.


Der Tag ist nur ein winziger Augenblick
der Mensch von heute ist selbst beim Staubsaugen schick
und das Büro ist nur ein Spiegelbild
der kranken Mutter Erde
sie scheut zurück
wie vorm Elektrozaun die Pferde.
Und eigentlich will ich nicht
und eigentlich kann ich nicht
und weinerlich, meine ich
einheitlich tanze ich
auf einem riesigen Ball
geschmückt mit Zahnrädern

die sich drehen
immer weiter
ein ernstzunehmender Fall
und endlos Leiter
der Karriere

weil immer jemand besser ist
und weil man's irgendwann vermisst
den ganzen Druck
denn ohne Druck kann der Mensch nicht leben
und so will er sich doch nur machen
oben über allem schweben
den Tellerwäschern, die die Millionäre bedienen
die neue Elite auf stählernen Schienen
ihrer Karriere, dessen Anker ist
wird ihnen verinnerlicht
doch eigentlich hoffen sie nur innerlich
auf ein erinner-mich
ein Schimmerlicht
eine immer-Sicht
die für immer nicht
nur den Drang nach Rang und Klang
im großen Gesang der Maschinen in sich hält
und es dreht und es dreht und es singet die Welt.

Und ich atme ein

und ich atme aus
und ich gehe rein

und renne raus

Und ich fühle den kalten Wind an meiner Stirn
unter der meine Schläfen stetig pulsier‘n
im Takte meines Businessplans
bin das Getriebe dieses Wissenswahns.


Wo kann ich mich noch weiterbilden?
Wo kann ich meine Schulden tilgen?
Wo kann ich noch etwas besser werden,
nicht mehr meine Existenz gefährden?
Wo kann ich des Glückes höchsten Grades noch erreichen?
Und sie schütteln den Kopf und ich sehe mich
erbleichen.


Arbeit aus
einfach raus
dort zum Bus
welch ein Genuss
das Summen und Marschieren der Glocken
immer stehen, niemals hocken
sprinten, laufen, rennen,
Finten kaufen, flennen,
die Zielfahne

die dort vor uns lebt
fast erbebt und vom Winde erhebt
ja fast schwebt
hat uns nur jemand an die Stirn geklebt.
Und so rennen wir

dem Tode verwerflich
unseren eigenen Ansprüchen hinterher

zu ehrlich
um uns zu belügen
um nur weiter den Acker mit unserem Schweiß zu bepflügen.
Und als die Tagesschau am Bildschirm flimmert
ein Blitzlicht dieser Welt aufschimmert
liege ich bereits und hab die Augen geschlossen

und leise erklimme ich weiter die Sprossen.


Und ich atme ein

und ich atme aus
und ich gehe rein

und renne raus

Und ich fühle den kalten Wind an meiner Stirn
unter der meine Schläfen stetig pulsier‘n
im Takte meines Businessplans
bin das Getriebe dieses Wissenswahns.

Montag, 4. September 2017

Literaturabend: Zeitungsartikel, Spenden und Playlist

Vielen Dank an alle, die am Samstag dabei waren. Es war ein richtig schöner Abend! Nach Abzug der Kosten kommen wir außerdem auf etwa 120€ Spendeneinnahmen und können die UNICEF-Patenschaft um ein weiteres Jahr verlängern, auch dafür danke!
Die Meinerzhagener Zeitung hat ebenfalls berichtet.

Der gesamte Abend wurde auch gefilmt. Nach und nach werden wir einige Videos davon auf dem Youtube-Kanal und natürlich auch hier veröffentlichen.

Außerdem gibt es eine Playlist zum Literaturabend auf Spotify mit allen gespielten Liedern des Abends.

Donnerstag, 31. August 2017

Zeitungsartikel zum Literaturabend am 2.9.17

Heute ist in der Meinerzhagener Zeitung auch ein kurzer Zeitungsartikel zum Literaturabend am kommenden Samstag erschienen. Wir sind schon gespannt und freuen uns auf euch!

"Von Kierspe in die Welt - Eine literarische Traumreise"
Folgende Städte und Länder werden wir am Samstag literarisch und musikalisch bereisen:
-Bremen
-Köln
-Frankfurt
-Hanau
-Usedom
-Ruhrgebiet
-Frankreich
-Italien
-Rumänien
-Spanien
-Dänemark
-USA

Dienstag, 15. August 2017

Lesung bei Getränke & Weinfachhandel Neunz in Kierspe am 2. September


Der nächste Termin steht: Am Samstag, den 2. September wird es unter dem Motto "Wenn es dunkel wird... - Eine Traumreise" erneut einen literarischen Abend mit musikalischer Begleitung geben.
Ort dieser Veranstaltung ist der Getränke & Weinfachhandel Neunz in Kierspe. Der Beginn ist um 19 Uhr und der Eintritt frei.
Der Abend wird eine Reise um die ganze Welt mit Texten aus meinen beiden Büchern und auch einigen neuen Texten, musikalisch begleitet von Stefan Schulte am Klavier.
Freut euch auf Schneewittchen, Peter Pan, Espresso, Bergarbeiter und Musik von Green Day, Coldplay und Chopin...